
Autoren: Lars Libuda, Prof. Dr. Thomas Remer und PD Dr. Mathilde Kersting
Studien aus den USA lassen vermuten, dass durch den Verzehr von Erfrischungsgetränken die Milch aus der Ernährung von Kindern verdrängt wird. Aufgrund des hohen Kalziumgehaltes der Milch wurde daher häufig ein indirekter negativer Einfluss des Verzehrs von Erfrischungsgetränken auf die Knochenentwicklung bei Kindern postuliert.
Anhand der Daten der DONALD Studie (DOrtmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study) wurde nun bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland der Zusammenhang zwischen dem langfristigen Verzehr verschiedener Arten von Erfrischungsgetränken und unterschiedlichen Variablen der Knochenentwicklung untersucht. Gleichzeitig wurden mögliche Wirkmechanismen geprüft, die den Effekt der Erfrischungsgetränke auf den Knochenmetabolismus vermitteln könnten. Berücksichtigt wurden die in einem Zeitraum von 4 Jahren anhand von 3-Tage-Wiege-Ernährungsprotokollen festgestellten langfristigen Ernährungsdaten von insgesamt 228 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren aus der DONALD Studie. Die Variablen der Knochenentwicklung wurden anhand einer pQCT-Messung (periphere quantitative Computertomographie) an der Speiche des Unterarms gemessen.
Nach Adjustierung für ernährungsspezifische und nicht-ernährungsspezische Covariablen wurde eine negative Assoziation zwischen dem langfristigen Verzehr von Erfrischungsgetränken insgesamt und dem Knochenmineralgehalt sowie dem polaren Strenght Strain Index (SSI) beobachtet, der ein Indikator für das Knochenbruchrisiko in der Kindheit ist. Der langfristige Verzehr koffeinhaltiger Erfrischungsgetränke war negativ mit dem polaren SSI und dem Knochenumfang (ein Indikator für die Knochenneubildung) assoziiert. Die beobachteten Zusammenhänge wurden nach Adjustierung für den langfristigen Milchverzehr abgeschwächt, blieben aber weiterhin signifikant. Nach Berücksichtigung der langfristigen Proteinzufuhr waren die Assoziationen für den Verzehr von Erfrischungsgetränken insgesamt nicht mehr signifikant. Für die Untergruppe der koffeinhaltigen Erfrischungsgetränke wurde allerdings weiterhin ein negativer Zusammenhang mit den Knochenparametern beobachtet.
Insgesamt scheint der Verzehr verschiedener Arten von Erfrischungsgetränken einen negativen Einfluss auf die Knochenentwicklung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu haben. Dieser Zusammenhang kommt offensichtlich in erster Linie indirekt durch eine insgesamt proteinärmere Kost zustande. Allerdings konnte der Effekt koffeinhaltiger Erfrischungsgetränke nicht allein durch eine geringere Proteinzufuhr erklärt werden. Möglicherweise könnte das Koffein in diesen Getränken eine direkte Wirkung auf den Knochen von Kindern ausüben.
