
Beobachtungsstudien an Erwachsenen legen nahe, dass die Qualität der Kohlenhydrate, d.h. der glykämische Index (GI) und die glykämische Last (GL) der Kost bzw. ihr Anteil an Ballaststoffen, Vollkorn und zugesetztem Zucker, eine Rolle bei der Entwicklung von Übergewicht spielt. Für Kinder und Jugendliche liegen bislang kaum prospektive Daten vor.
In der DONALD (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed) Studie wurden daher die Zusammenhänge zwischen der Kohlenhydratqualität und dem BMI bzw. dem Körperfettanteil (%KF) in der Kindheit (2-7 Jahre) und im Jugendalter (zwischen Pubertätsbeginn und den folgenden 4 Lebensjahren) sowohl im Querschnitt als auch prospektiv untersucht.
In der Auswertung wurden die Daten von 380 DONALD Kindern und 215 DONALD Jugendlichen berücksichtigt, bei denen im Alter von 2-7 Jahren bzw. zu Pubertätsbeginn und in den folgenden 4 Lebensjahren vollständige Informationen zum Ernährungsverhalten (3-Tage-Wiegeernährungsprotokolle) und körperlicher Entwicklung (anthropometrische Messungen) vorlagen. Die Zusammenhänge wurden mittels gemischter linearer Modelle getrennt für Kinder und Jugendliche analysiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass der GI, die GL und der Anteil an Ballaststoffen und zugesetztem Zucker in der Kindheit nicht mit der Körperzusammensetzung assoziiert waren, weder im Querschnitt noch prospektiv [1]. Auch bei Jugendlichen beeinflussten weder GI, GL noch die Vollkornzufuhr die Körperzusammensetzung [2]. Allerdings deutete sich fuer die Jugendlichen, die zu Pubertaetsbeginn bereits übergewichtig waren (n=36), ein negativer Einfluss des GI an: So war ein höherer GI bei diesen Jugendlichen zu Beginn der Pubertät mit einem höheren %KF (p=0.05) und einem höheren BMI-SDS assoziiert (p=0,01), während für normalgewichtige Jugendliche keine Querschnittszusammenhänge bestanden (p =0,4 für %KF, p=0,05 für BMI-SDS). Dieser Unterschied setzte sich auch im Verlauf der Pubertät fort (pInteraktion=0,03 für %KF, pInteraktion=0,08 für BMI-SDS).
Unsere Daten legen nahe, dass der Stoffwechsel gesunder Kinder und Jugendlicher Unterschiede in der Kohlenhydratqualität gut kompensieren kann und daher kein relevanter Einfluss auf die Körperzusammensetzung zu beobachten war. Bei Jugendlichen mit Übergewicht könnte sich ein höherer GI jedoch ungünstig auswirken: möglicherweise führt eine beginnende Insulinresistenz zu größeren Schwankungen im Blutglucosespiegel nach Mahlzeiten mit höherem GI, wodurch eine weitere Gewichtszunahme begünstigt wird (siehe Grafik).